Geschichtliche Entwicklung von Weblogs

Autor: Sven Przepiorka
Veröffentlichung: 10.03.2003
Letzte Änderung: 26.04.2004

Das erste Weblog wurde von Tim Berners-Lee, dem Erfinder des WorldWideWebs, in den frühen 90er Jahren eingerichtet. Auf der Website http:/info.cern.ch erwähnte er nämlich alle neuen Websites. Es entstand dadurch eine stets aktuelle und chronologisch angeordnete Liste existierender Websites. Letztendlich war im Zeitraum 1993-96 die "Whats New Page" von Netscape ebenso ein Vorläufer der heutigen Weblogs.

Im allgemeinen setzt man jedoch den Beginn der Weblog-Ära mit dem Jahr 1997 an. Zu dieser Zeit entwickelte sich mit Camworld, einer Website von Cameron Barret, die erste Community zu diesem Thema. Weitere Pioniere waren Dave Winer mit seinem Scripting News Weblog und John Barger, der u.a. den Begriff Weblog einführte. Bis 1999 gab es nur ungefähr 25 Webseiten, die man heute als Weblog bezeichnen würde.

Die ursprünglichen Weblogs waren sehr link-intensive Webseiten. Jedes Weblog war eine einzigartige Mischung von Links und persönlichen Kommentaren. Zu diesem Zeitpunkt konnten Weblogs nur von den wenigen Leuten erstellt werden, die bereits genügend Fähigkeiten hatten, eine eigene Webseite mit Hilfe eines Editors zu erstellen. Dazu hatte sich der Blogger entweder HTML zum Spaß selbst beigebracht, oder er hatte bereits beruflich mit HTML zu tun. In beiden Fällen investierte er in seiner Freizeit viele Stunden, um im Web nach interessanten Webseiten zu suchen und um sie dann in seinem Weblog zu erwähnen. Im Grunde genommen bestand damals die gesamte Weblog-Szene nur aus sogenannten "Freaks".

Dies änderte sich dramatisch im Jahre 1999, als die ersten Programme zur Verfügung standen, die die tägliche Aktualisierung einer Website erheblich vereinfachten. Dazu gehören vor allem Blogger, Pitas und Manila, die im wesentlichen serverbasierte Content-Management-Systeme sind. Alle diese Dienstleistungen waren frei und wurden ausschließlich dafür entwickelt, um möglichst vielen Anwendern die Möglichkeit zu geben, in ihrem eigenen Weblog schnell und leicht Informationen publizieren zu können. Durch diese Einfachheit explodierte förmlich die Anzahl der Weblogs und auch deren Inhalt änderte sich. Dieser bezog sich nicht mehr allein auf das WWW und die dazugehörigen Webseiten, sondern auch persönliche Eindrücke und Erlebnisse wurden immer mehr Mittelpunkt eines Weblogs. Mittlerweile hat allein Blogger über 500.000 registrierte Benutzer. Rebecca Blood schreibt beispielsweise darüber:

"In September of 2000 there are thousands of weblogs: topic-oriented weblogs, alternative viewpoints, astute examinations of the human condition as reflected by mainstream media, short-form journals, links to the weird, and free-form notebooks of ideas. Traditional weblogs perform a valuable filtering service and provide tools for more critical evaluation of the information available on the web. Free-style blogs are nothing less than an outbreak of self-expression. Each is evidence of a staggering shift from an age of carefully controlled information provided by sanctioned authorities (and artists), to an unprecedented opportunity for individual expression on a worldwide scale. Each kind of weblog empowers individuals on many levels."

Eine erhöhte Aufmerksamkeit erlebten die meisten Weblogs mit dem 11. September 2001, als die ersten Auswirkungen der Terrorattacken auf das World Trade Center in New York sichtbar wurden. Schneller, persönlicher und direkter berichteten viele Weblogger über das Geschehen. Während kommerzielle Nachrichtenticker (wie beispielsweise spiegel.de und tagesschau.de) aufgrund der hohen Anzahl von Aufrufen nicht mehr verfügbar waren, erwies sich die dezentrale Struktur von Weblog-Netzwerken als optimal.

Durch das Verweisen auf Berichte anderer Weblogs verteilten sich die Zugriffsfrequenzen und garantierten so eine hohe Verfügbarkeit und Aktualität. Während des anschließenden Afghanistan-Krieges im Winter 2001/2002 versuchten amerikanische Zeitungen und Fernsehsender, sich gegenseitig mit Patriotismus und Regierungsfreundlichkeit zu überbieten. Ausländische Medien wurden dagegen in ihrer journalistischen Berichterstattung behindert und als Teil der psychologischen Kriegsführung mißbraucht. Die meisten Weblogs blieben dagegen sehr facettenreich. Wer in den USA wirklich informiert sein wollte, konnte mit Hilfe von Weblogs hervorragende Beiträge von amerikanischen Intellektuellen erhalten, die sonst in keiner der großen Zeitungen abgedruckt worden wären.

In Deutschland erfreut sich die Technik der Weblogs seit dem Jahr 2001 einer wachsenden Beliebtheit. Mittlerweile gibt es einige hundert Weblogs. Jede Woche kommen etwa 10-20 neue Blogger hinzu. Im Gegensatz zu den USA ist allerdings die Thematik noch nicht richtig von der Öffentlichkeit wahrgenommen worden. Nur in sehr unregelmäßigen Abständen wird in Zeitschriften über Weblogs informiert. Zudem sind diese Berichte sehr unpräzise und meist falsch. Man kann feststellen, dass Weblogs und die dazugehörigen Systeme in Deutschland noch nicht richtig verstanden sind.

Weiterführende Literatur